Ablage

01.04.22 – 30.04.22
Nouri Almashhour, Elena Dorn, Milad Nemati, Emma Zimmermann

Die Ablage funktioniert im Büro als Ordnungssystem. Wir verbinden damit Effizienz, Bürokratie und Aktenschränke bis zum Horizont. Seit der Erfindung des Computers verschob sich dieses Aufbewahrungssystem immer mehr in die Sphäre des Digitalen. Mit der Covid-Pandemie bekam das Home Office schließlich eine komplett neue Bedeutung. Alle wichtigen Unterlagen speichern wir heute in der Cloud. Papier ist mittlerweile eines der ineffizientesten und doch charmantesten Speichermedien. Etwas zu Papier bringen bedeutet etwas ausformen, einer Sache Struktur geben. Einen Gedanken oder ein Bild von der abstrakten Ebene in eine körperliche überführen. Eine flüchtige Idee auf das flüchtigste aller Materialien bringen. 

Wir sind umgeben von Papier und ertrinken in ihm. Es ist Überfluss, Mittelmaß und Knappheit. Sobald etwas auf dem Papier verewigt wurde, verabschieden wir uns zumindest gedanklich davon. Wir haben es uns von der Seele geschrieben. Aber Papier ist mehr. Es hilft uns Wissen zu bewahren, zu vermitteln, zu lernen. Gedanken zu sortieren, Sinn herzustellen zwischen Absatz und Formatierung, Pinselstrich und Druckfarbe. Wir formen Komplexes auf dem leichtesten Grund, der doch so viel Bedeutung in sich trägt. Papier erzählt uns die Geschichte kompletter Zivilisationen nach, es lässt uns die Struktur der Zeit erfühlen, den Geruch von Wissen einatmen. 

In unserer Ablage archivieren und sortieren wir, wir sichten und schichten und collagieren einen Raum, dessen Wände zu unserem Papier werden. Wir haben keine „Angst vor dem Papierkram“ (Wolfgang Herrndorf). Wir schaffen ein Ordnungssystem, das mehr als die Dokumentation unserer über die letzten Jahre entstandenen Papierarbeiten darstellt. Unser Archiv von Arbeiten – unsere Ablage – strukturiert den Raum als Erfahrung. (Text + Bild: Elena Dorn) 

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