BACKGROUNDNOISE

13.05.22 – 04.06.22
Umut Azad Akkel, Pegah Keshmirshekan, Dana Rabea Jäger, Moana Vonstadl, Zhé Wang

An uncontrolled inner return to the situation,
known primarily from a distance through memory,
nightmares,
panic attacks,
feeling of dullness,
being frozen,
paralysis,
feeling alien in your own body.
A delayed response follows.

Giving up control, 
feeling powerless and angry at the same time.
All there is, is hopeless despair.

Often a traumatic experience cannot be processed cognitively nor consciously. Background Noise is an approach of the artists Umut Azad Akkel, Pegah Keshmirshekan, Dana Rabea Jäger, Moana Vonstadl and Zhé Wang to find a level of communication to describe, discuss, speak about what is happening to us while experiencing trauma, why these experiences can be painful and how it may be possible to channel them through art to help to understand them and ourselves better.

The general definition of trauma is a paradox, a sudden and overwhelming experience of a catastrophic event. However, daily experiences of discrimination, violence, suffering and the subtle and open degradation that come with it also have an imense traumatizing potential. Even though normative patterns of perceptions shape trauma-therapeutic knowledge production, which contribute to the general definition of trauma, there is seldom a level of communication about how it feels to experience and deal with trauma. For individuals everyday struggles can appear as a constant background noise, which one cannot easily escape, due to relationships of power and domination in society. 

How can experiences that have been shaped through time and contact with discrimination, violence and/or catastrophic events, that are resulting in displacment and isolation, be discussed? How can we as artists make parallels to our artistic work visible? How can an inclusive idea of mental health be created rather than finding solutions to overcome trauma in an instant? 

Ablage

01.04.22 – 30.04.22
Nouri Almashhour, Elena Dorn, Milad Nemati, Emma Zimmermann

Die Ablage funktioniert im Büro als Ordnungssystem. Wir verbinden damit Effizienz, Bürokratie und Aktenschränke bis zum Horizont. Seit der Erfindung des Computers verschob sich dieses Aufbewahrungssystem immer mehr in die Sphäre des Digitalen. Mit der Covid-Pandemie bekam das Home Office schließlich eine komplett neue Bedeutung. Alle wichtigen Unterlagen speichern wir heute in der Cloud. Papier ist mittlerweile eines der ineffizientesten und doch charmantesten Speichermedien. Etwas zu Papier bringen bedeutet etwas ausformen, einer Sache Struktur geben. Einen Gedanken oder ein Bild von der abstrakten Ebene in eine körperliche überführen. Eine flüchtige Idee auf das flüchtigste aller Materialien bringen. 

Wir sind umgeben von Papier und ertrinken in ihm. Es ist Überfluss, Mittelmaß und Knappheit. Sobald etwas auf dem Papier verewigt wurde, verabschieden wir uns zumindest gedanklich davon. Wir haben es uns von der Seele geschrieben. Aber Papier ist mehr. Es hilft uns Wissen zu bewahren, zu vermitteln, zu lernen. Gedanken zu sortieren, Sinn herzustellen zwischen Absatz und Formatierung, Pinselstrich und Druckfarbe. Wir formen Komplexes auf dem leichtesten Grund, der doch so viel Bedeutung in sich trägt. Papier erzählt uns die Geschichte kompletter Zivilisationen nach, es lässt uns die Struktur der Zeit erfühlen, den Geruch von Wissen einatmen. 

In unserer Ablage archivieren und sortieren wir, wir sichten und schichten und collagieren einen Raum, dessen Wände zu unserem Papier werden. Wir haben keine „Angst vor dem Papierkram“ (Wolfgang Herrndorf). Wir schaffen ein Ordnungssystem, das mehr als die Dokumentation unserer über die letzten Jahre entstandenen Papierarbeiten darstellt. Unser Archiv von Arbeiten – unsere Ablage – strukturiert den Raum als Erfahrung. (Text + Bild: Elena Dorn) 

Because Of Spring

18.03.22 – 26.03.22
Elke Burkert, Christina Huber, Amira Rafat Kicherer

THEY

28.01.22 – 11.03.22
Marie Salcedo Horn, Tim Leimbach, Vero Hass

THEY – das sind die Anderen. Das sind wir für andere, und manchmal auch für uns selbst. 
Wo liegt die Grenze zwischen dem Eigenen und dem Anderen? 
Und wie gehen wir mit dem Anderen um?
Auf drei unterschiedlichen Ebenen fragen sich Tim, Vero und Marie: 
Was für Beziehungen führen wir mit vertrauten Personen, anderen Wesen und uns selbst? Wie verorten wir uns in diesem Gefüge von Intimität und Unbekanntem und was lassen wir zu? Was sind they und was sind wir? 

Vero Haas
Die Unmöglichkeit eins zu sein
„Meine Arbeit zeigt die Möglichkeit einer Sichtbarmachung: dass wir nicht eines sind und wie wir mit dem ‚they‘ in uns interagieren. Wann immer ich mich selbst wahrnehme, beobachtet ein Teil von mir den anderen. Dieses Andere in mir ist nicht fremd, nur unsichtbar.“

Tim Leimbach
„Die Serie „Das Bild der Mutter“ ist eine persönliche Suche nach dem Vertrauten, aber auch dem Fremden in der Beziehung zu dieser speziellen „Anderen“. Eine Rekapitulation der Veränderlichkeit dieser engen zwischenmenschlichen Bindung im Laufe der eigenen Entwicklung.“

Marie Salcedo Horn
„Sind wir Tiere? Wilde Tiere leben für mich in Freiheit. Befreit von Konventionen, Regeln und Verantwortung. Ich will ein Tier sein. Mich frei beißen. Alle Emotionen immer einfach ungefiltert rauslassen. Schreien, Kreischen, die Zähne zeigen. Aber sind sie wirklich frei? Getrieben vom Überlebenskampf und dem Lauf der Dinge vielleicht ja eher auch nicht.“ 

Inventur / Inventory

Miranda Holmes
28.11. – 19.12.2021, Ausstellung + Winterauktion

Die Arbeiten in Inventur/Inventory zeigen eine Reihe von Gemälden und Zeichnungen aus der Zeit, in der Miranda Holmes zwischen 2017 und 2019 in Berlin lebte. Inventarisiert haben die Werke über zwei Jahre lang gelagert und werden nun erstmalig im Raum für Sichtbarkeit ausgestellt.

Zu sehen sind alltäglich umgebende Dinge bis hin zu einstürzenden Gebäuden und immer wieder die zumeist weibliche Figur, die sich mit ihrer Einsamkeit auseinandersetzt und im Verlauf mit ihrer Umgebung verschmelzt. Unter Verwendung von starken Linien und einer gesättigten Farbpalette untersucht Holmes im Bild, wie sich Körper und Umfeld gegenseitig beeinflussen. Hierbei stellt die Künstlerin immer wieder Fragen an gesellschaftliche Erwartungen an den Körper, Identitätspolitik und das Konzept von Arbeit im patriarchalen Kapitalismus.

Die Werke beruhen weiterhin auch auf Einflüssen von Personen, mit denen Holmes in Berlin in Kontakt stand. Querverbindungen zwischen ihren Arbeiten von damals und heute bestehen weiterhin: Der angespannte Körper, die verschwommene Grenze zwischen Subjekt und Objekt, sowie die Betonung der Eigenständigkeit ihrer zeichnerischen Praxis.

Zur Person:
Nach ihrem B.F.A.-Abschluss an der Pennsylvania State University erhielt Holmes ein Fulbright-Stipendium, um von 2017-18 an der Universität der Künste in Berlin zu studieren. Im Anschluss an das Stipendium blieb Holmes ein Jahr lang in Berlin und arbeitete dort, bevor sie 2019 ihren Master in Fine Arts an der Ohio State University absolvierte. Holmes stellte 2019 eine Einzelausstellung in Das Giftraum aus. Ihre Arbeiten wurden 2021 in die Edition #149 von New American Paintings aufgenommen. Sie hat an mehreren Gruppenausstellungen teilgenommen, darunter in der Olympia Gallery in New York, NY, der Hopkins Hall Gallery in Columbus, OH und im Agora Collective in Berlin, Deutschland. Holmes hat verschiedene Auszeichnungen erhalten, darunter den Ellen Battel Stoeckel Award für die Teilnahme an der Yale Summer School of Art 2016, ein Universitätsstipendium an der Ohio State University und ein Alumni Grant for Graduate Research. Sie wird voraussichtlich im Mai 2022 ihren M.F.A. an der Ohio State University abschließen.

Der Garten im Wald

22.10.2021 – 26.11.2021

Ausstellende Künstler*innen: 
Ingrid Elsa Maria Ogenstedt – Phillip Langer – Aline Schwörer – Nils Blau – Nina Lamiel Bruchhaus 

Graphic Design by Arleta Gebicki

Die Ausstellung Der Garten und der im Wald greift das Verhältnis von Natur und Kultur in der Kunst auf. Es werden Menschen, Tiere, Dinge und Pflanzen thematisiert.

Seit wir denken können ist unser Weltbild von einer zentralen Unterscheidung bestimmt: der zwischen Natur und Kultur. Auf der einen Seite die von Naturgesetzen regierte, unpersönliche Welt der Tiere, Pflanzen und Dinge, und auf der anderen die Menschenwelt mit ihrer kulturellen und individuellen Vielfalt. Diese grundsätzliche Trennung beherrscht unser europäisches Denken und Handeln. Doch diese Trennung ist nicht selbstverständlich. So sind auch Themen wie die Klimaerwärmung, die Bekämpfung von Pandemien oder Fragen ökologisch verantwortbaren Wirtschaftens aktuelle Schnittpunkte zwischen Natur und Kultur. Ebenso lässt sich gegenwärtig eine Rehabilitierung eines „Naturwissens“ erkennen. Diese Annäherung an animistische Weltbilder gilt als Gegenentwurf zu europäischen Denktraditionen, welche sich in ‚rationalistische‘ grenzziehende Kategorisierungen begründet. So setzt sich auch der Titel der Ausstellung gegen das dichotome Denken „Der Garten“ auf der einen Seite „und der Wald“ auf der anderen. Der Veränderungsprozess wird durch das durchgestrichene „und der“ beschrieben und der Garten in den Wald gesetzt.

In den Arbeiten von Nina Lamiel Bruchhaus, Nils Blau, Aline Schwörer, Phillip Langer und Ingrid Elsa Maria Ogenstedt werden die Beziehungen zur Umwelt und Gesellschaft – zur Natur und Kultur sichtbar. In ihren vielfältigen Arbeitsweisen: Keramik, Malerei, Zeichnung, Plastik, … nähern sie sich den Beziehungen und wechselseitigen Abhängigkeiten von Kultur und Natur an.

‘What gets to count as nature? For whom and when?’ – Donna Haraway, ‘Primate Visions’, 1989

I’m an alien

27.08.2021 – 09.10.2021

Im Raum für Sichtbarkeit eröffnete der Salon der Unabhängigen seine 3. Ausstellung: I’m an Alien. Zu sehen waren:

Nina Lamiel Bruchhaus (Kuratorin) – Camillo Ritter – Kaifan Wang – Yeliz Yigit – Witalij Frese

„I ́m An Alien“
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„… das Unbehagen, zwei verschiedenen Welten anzugehören, die schier unvereinbar weit auseinanderliegen
und doch in allem, was man ist, koexistieren.“
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(Didier Eribon – Rückker nach Reims)
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Zum dritten Mal findet die Ausstellungsreihe „Salon der Unabhängigen“ statt und möchte diesmal dem Gefühl der Fremde auf den Grund gehen. In den Arbeiten von fünf jungen Künstler:innen wird erforscht, wann das Fremde anfängt und wo es aufhört. Wann wird ein Gegenstand, eine Situation oder ein Ort zu etwas und einem mir Bekannten? Wann fühle ich mich fremd und warum? Wann erscheint mir etwas anderes fremd?
Wir können uns fremd fühlen, in anderen Kulturen und Ländern aber auch in sozialen Klassen, deren Codes, Sprache und Habitus wir nicht verstehen. Didier Erbion beschreibt in seinem 2016 erschienen essayistischen Roman Rückker nach Reims, wie fremd es sich anfühlen kann, nach vielen Jahren in sein Herkunftsmilieu zurück zu kehren, welches sich inzwischen unbekannter anfühlt, als die neue Wahlheimat in der Großstadt.
Natürlich kann auch an außerirdisches Leben gedacht werden und die Frage gestellt werden: Gibt es Leben außerhalb unseres Sonnensystems? Eine Frage mit der sich die Menschheit schon fast seit seiner Entstehung zu beschäftigen scheint.

Ausstellungsbilder:

mit Haut und Haaren

09.07.2021 – 20.08.2021

Der Raum für Sichtbarkeit wurde mit der Ausstellung „mit Haut und Haaren“ eröffnet. Zu sehen waren:

Frank Jimin HoppLaura Suryani Thedja Lena Valenzuela

Maria SergaWitalij Frese

Sie alle haben sich ganz und gar, mit Haut und Haaren, der Kunst verschrieben. In der Gruppenausstellung sind von ihnen Malereien und Keramiken zu sehen. In ihren figurativen Arbeiten befassen sie sich unter anderem mit Themen von: Körper, das menschliche Dasein, Rollenbilder, Alltag, Konsum und Gesellschaft. Der Titel der Ausstellung lässt auch Assoziationen zum Phantastischen zu, su wurden Menschen und Tiere in Märchen mit Haut und Haaren verschlungen.
Mit Haut und Haaren sprechen die fünf Künstler*innen über das Leben. Die Haut ist eine empfindsame, fühlbare Grenze zwischen dem Ich und dem Anderen und zugleich Außen- und Innenseite des Körpers. Sie erscheint oberflächlich, doch greift sie tief und vielschichtig in uns. Der Körper und die Haut sind Leinwände, auf denen symbolische Einzelheiten der sozialen Stellung und der persönlichen Identität dargestellt werden. Die Künstler*innen versuchen dem Sein einen (Un-)Sinn zu geben, während die Welt um sie herum zusammenbricht.